August 28, 2011

Product-Placement im Kinderzimmer

Am Freitag habe ich es endlich geschafft, mein amerikanisches Bankkonto zu eröffnen. Eigentlich sollte man sich dazu natürlich die Konditionen der Banken heraussuchen und sie vergleichen, um das passende Bankkonto zu finden. Eigentlich.
Denn zu meinem Entzücken konnte ich feststellen, dass es hier die Wells Fargo Bank gibt. Denn die Wells Fargo Bank hat schon als ich ein kleiner Junge war dafür gesorgt, dass Gold sicher von einem Ende des Sandkastens zum anderen kam. Naja, mehr oder weniger sicher - ich hatte schon ziemlich coole Banditen.
Jedenfalls kann ich mich noch genau an meine Postkutsche von früher erinnern:
Schon klar, dass ich dort mein Bankkonto eröffnet habe. Und dafür habe ich auch noch einen coolen Kleidersack im West-Fargo-Stil bekommen - damit sehe ich doch aus wie einer von den Daltons, oder?
Naja, es ist natürlich leider nur Wäsche drin.

Und außerdem kann man sich seine Kreditkarte mit einem persönlichen Motiv bedrucken lassen! Ich tendiere zur Playmobil-Postkutsche, aber vielleicht habt ihr ja bessere Ideen? Könnt mir gerne schreiben!

August 27, 2011

Im Land der unbegrenzten Transportmöglichkeiten? - eine Verschwörungstheorie

Meinem Unmut über mangelhafte Verkehrsanbindungen habe ich ja schon öfter hier Luft gemacht, aber eigentlich verdient das Thema einen ganzen Beitrag. Denn ich vermute etwas Großes hinter den Problemen, auf die man in Atlanta als Fußgänger stößt. Anders sähe das aus, wenn ich ein Auto hätte - denn tolle Straßen gibt es hier genug.




Ich habe aber Freundschaft geschlossen mit Marta. Wobei man das vielleicht nicht Freundschaft nennen sollte. Hassliebe trifft es manchmal schon eher. Marta ist ganz nett, aber etwas eigenwillig und unpünktlich. Und manchmal gänzlich unzuverlässig. Und außerdem muss ich ewig laufen, bis ich bei ihr bin.
Dabei hat Marta (Metropolitan Atlanta Rapid Transit Authority) doch überall Schildchen aufgestellt, die anzeigen, dass sie hier vorbeikommt.


Nur leider tut sie das nicht oft. Wenn man Glück hat im 20-Minuten-Takt. Meistens aber nur im 45-Minuten-Takt oder seltener. Nur weiß man das leider nicht, denn an den Bushaltestellen hängen nicht etwa Fahrpläne aus. Nein, es ist doch auch viel lustiger, wenn potentielle Passagiere ein bisschen raten. Und damit es nicht zu einfach wird, steht nicht einmal dran, welche Linie an dieser Haltestelle vorbeiführt.

Perfiderweise haben geschäftsbewusste Anlieger die Chance sogleich erkannt, die erschöpfte Reisende darstellen, die seit Stunden (stehend, denn Bänke gibt es natürlich nicht) auf ihren Bus warten.

Man ist als Westeuropäer in punkto Nahverkehr vielleicht einfach etwas zu verwöhnt - und würde das alles als mangelnde Professionalität der Rapid-Transit-Authority durchgehen lassen, die in einer Auto-verliebten Stadt die undankbare Aufgabe hat, den öffentlichen Nahverkehr bereitzustellen (dabei aber die bemerkenswerte Chuzpe besitzt, das Wort "Rapid" im Namen zu führen).

Ich glaube, die Gründe sind perfider: die Fahrpläne kann man im Internet herunterladen. Aber wer kramt schon seinen Laptop raus, um den Fahrplan zu lesen (außer mir)? Aber dafür gibt es ja Smartphones. Und wie praktisch - damit man weiß, wo man ist, braucht man GPS oder zumindest eine Karte - steht ja leider nicht an den Bushaltestellen, aber dafür gibt's ja auch Smartphones. Damit man dann noch ungefähr weiß, wann der Bus an dieser Haltestelle ankommt, braucht man schon fast höhere Mathematik - denn auf dem Fahrplan steht nur jede 7. bis 8. Station. Aber dafür gibt es ja Taschenrechner (oder Mobiltelefone mit integriertem Taschenrechner).

Messerscharf folgere ich also: Dass an Bushaltestellen keine Buslinien, Standorte und Abfahrtszeiten angebracht sind, ist entweder das Werk
  • großer Konglomerate von Karten- und Taschenrechnerproduzenten sowie Fahrplandruckereien oder aber
  • von Apple.
Damit dann nicht irgendwelche Landstreicher, Ökos, deutsche Austauschstudenten oder sonstige schrullige Charaktere auf die absurde Idee kommen, zu laufen, setzt man Fußwegen einfach mal eben ein wildromantisches Ende:


Man kann sich dann aussuchen, ob man lieber durch hüfthohe Wiesen läuft, auf dem Highway weiterläuft und von einem netten SUV-Fahrer auf der Frontstoßstange mitgenommen wird oder doch lieber umkehrt und auf den Bus wartet. Oder ein Taxi ruft. Die Nummer kann man sich ja mit dem Smartphone raussuchen.

August 25, 2011

Arbeiter, Kolchosbäuerin und Basketballer

Nachdem ich endlich die lästige Sache mit den Kursen klären konnte, und mich die Universität nach viel hin und her in einige MBA-Kurse gesetzt hat, kann ich zumindest bis Anfang nächster Woche den Beginn der Semesters noch produktiv nutzen: mit Sport.

Amerikanische Universitäten haben ja eine Reputation dafür, dass sie sportlichen Aktivitäten ihrer Studenten sehr wohlwollend gegenüberstehen - sieht man sich das Angebot der Emory an, dann kann man sicher sagen: zu Recht!

Alle Studenten bezahlen eine relativ niedrige Gebühr je Semester, und dürfen dafür die Sporteinrichtungen der Universität umsonst nutzen - inklusive frischen Handtüchern, Spielgeräten etc. Nur für Kurse muss man extra zahlen (sind aber auch nicht unmenschlich teuer).

Für das Sporteln an sich stehen verschiedene Stätten zur Verfügung, unter anderem das Woodruff Physical Education Center auf dem Hauptcampus:

Und das hat es wirklich in sich:
  • Riesiges Fitnesscenter
  • Basketballhalle
  • Volleyballhalle
  • Indoor-Tennisplätze
  • Olympisches Indoor-Schwimmbad
  • Indoor-Laufbahn
  • Indoor-Radrennbahn
  • Indoor-Kletterwand
  • Indoor-Golfkurs
  • usw.
Ich habe gerade bestimmt viele Randsportarten wie Tischtennis, Boxen, Karate, Fußball etc. vergessen, aber hier gibt es wirklich alles. Und die meisten Sachen natürlich auch nochmal draußen für schönes Wetter.

Bei dem riesigen Sportangebot könnte ich es mir eigentlich sparen, stundenlang durch die Gegend zu laufen, weil ich mal wieder versucht habe, mit dem Bus heimzufahren...

Insgesamt also kein Wunder, dass viele Studenten sich sportlich betätigen - damit das auch schön so bleibt gibt es auf dem Campus wunderhübsche Statuen, die viele Studenten sicher zu Höchstleistungen anspornen... Erinnert mich an die Plastik "Arbeiter und Kolchosbäuerin", die auf dem Gelände der Landwirtschaftsausstellung in Moskau stehen...


Aber das tollste an der Uni ist, dass es noch einen Campus gibt - mit dem Uni-eigenen Freibad! Da kann man sich sicher auch mal ein bisschen zum Lernen in die Sonne setzen :)


Das einzige Problem an der Sache ist nur, dass die Spinde mit fiesen Drehzahlschlössern ausgestattet werden müssen... Und nachdem ich mir einen Spind gemietet habe und aufgrund chronischer Vergesslichkeit mittlerweile zwei Vorhängeschlösser besitze, muss ich wirklich aufpassen, dass ich die verschiedenen Kombinationen nicht durcheinanderbringe - wobei die Zahlen im Bereich 32-38 verdächtig häufig vorkommen (pro Schloss mindestens eine Übereinstimmung mit den anderen)... Wahrscheinlich will das Department of Homeland Security heimlich nachgucken, welche Größe meine Unterwäsche hat ^^

August 23, 2011

American BBQ

Heute hatten wir die Einführungsveranstaltung an der Laney Graduate School, der ich als Master-Student angehöre. Man fühlst sich schon toll, wenn man sich minutenlang selbst applaudiert, dass man an eine so tolle Uni aufgenommen wurde.
Dass die Leute sehr stolz auf ihre Uni sind, schlägt sich auch an der Deko auf dem Campus nieder:
Nach einem Zwischenbesuch im dreistöckigen Uni-Kaufhaus kann ich auch die frohe Botschaft übermitteln, dass die vielgefragten Emory-Christbaumkugeln noch vorrätig sind. Wenn jemand eine haben möchte, nehme ich selbstverständlich gerne noch Bestellungen entgegen.

Nach der Einführungsveranstaltung hatten wir nachmittags noch ein Barbeque mit Get-together. Den vielgerühmten amerikanischen Grillmeistern ist es tatsächlich gelungen, das Schweinefett mit etwas Fleisch außen verbrennen zu lassen, während es knapp unter der Kruste noch rosa war. Applaus! Aber es gab auch sehr leckere Limonade und vegetarisches Essen, das recht lecker war.

Nach dem Barbecue bin ich dann mit einem der Uni-eigenen Busse zum anderen Campus gefahren, wo ich abgeholt wurde. In einem von den Dingern fühlt man sich wie Bart Simpson! Naja, ein etwas größerer. Und älterer. Aber immerhin einer, der schon an der Uni ist:


August 22, 2011

Little Joe in big Atlanta

Dieses Mal habe ich lange nachgedacht - eigentlich dachte ich, dass es in den USA doch nicht so anders als in Westeuropa sein kann. Da habe ich mich allerdings wohl getäuscht - während man sich in vielen Bereichen gut zurechtfindet, sind manche andere Dinge doch erstaunlich anders als in Deutschland oder auch anderen europäischen Ländern.

Das wie ich finde auffälligste und wahrscheinlich Wichtigste ist eine ganz andere Mentalität der Menschen hier. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Leute, die ich bisher getroffen habe, äußerst hilfsbereit und scheuen keine Mühe, um verwirrten deutschen Austauschstudenten zu helfen.

So wird man schon mal über den Campus eskortiert, wenn man nach dem Weg fragt - Einladung zum nächsten Stammtisch inklusive. Oder der ganze Bus diskutiert engagiert mit, welche Route der arme Deutsche nehmen soll, der auf dem Weg zur Mall in den Bus in die falsche Richtung gestiegen ist. Da man sich wirklich sehr um mein Wohlergehen sorgt, kommen auch schnell besorgte Anrufe von Vermietern und deren Angehörigen mit dem Angebot, mich bei der nächsten Station abzuholen und heimzufahren.

Als erfahrener Reisender und mit sämtlichen Apps ausgestatteter Möchtegern-Globetrotter muss ich solche Angebote natürlich ablehnen - mit nur ca. 60 Minuten Verspätung komme ich dennoch stolz an meinem Ziel an und habe sogar die verwirrende Tatsache gemeistert, dass auf den Busfahrplänen locker 70% der Stationen nicht verzeichnet sind ("you will need to estimate the time the bus will be at your stop"). Trotzdem beruhigend zu wissen, dass mich jemand abholen würde, wenn ich komplett verloren gehe.

"Zuhause" sieht im Moment übrigens so aus:


Aber dazu später mehr.