August 27, 2011

Im Land der unbegrenzten Transportmöglichkeiten? - eine Verschwörungstheorie

Meinem Unmut über mangelhafte Verkehrsanbindungen habe ich ja schon öfter hier Luft gemacht, aber eigentlich verdient das Thema einen ganzen Beitrag. Denn ich vermute etwas Großes hinter den Problemen, auf die man in Atlanta als Fußgänger stößt. Anders sähe das aus, wenn ich ein Auto hätte - denn tolle Straßen gibt es hier genug.




Ich habe aber Freundschaft geschlossen mit Marta. Wobei man das vielleicht nicht Freundschaft nennen sollte. Hassliebe trifft es manchmal schon eher. Marta ist ganz nett, aber etwas eigenwillig und unpünktlich. Und manchmal gänzlich unzuverlässig. Und außerdem muss ich ewig laufen, bis ich bei ihr bin.
Dabei hat Marta (Metropolitan Atlanta Rapid Transit Authority) doch überall Schildchen aufgestellt, die anzeigen, dass sie hier vorbeikommt.


Nur leider tut sie das nicht oft. Wenn man Glück hat im 20-Minuten-Takt. Meistens aber nur im 45-Minuten-Takt oder seltener. Nur weiß man das leider nicht, denn an den Bushaltestellen hängen nicht etwa Fahrpläne aus. Nein, es ist doch auch viel lustiger, wenn potentielle Passagiere ein bisschen raten. Und damit es nicht zu einfach wird, steht nicht einmal dran, welche Linie an dieser Haltestelle vorbeiführt.

Perfiderweise haben geschäftsbewusste Anlieger die Chance sogleich erkannt, die erschöpfte Reisende darstellen, die seit Stunden (stehend, denn Bänke gibt es natürlich nicht) auf ihren Bus warten.

Man ist als Westeuropäer in punkto Nahverkehr vielleicht einfach etwas zu verwöhnt - und würde das alles als mangelnde Professionalität der Rapid-Transit-Authority durchgehen lassen, die in einer Auto-verliebten Stadt die undankbare Aufgabe hat, den öffentlichen Nahverkehr bereitzustellen (dabei aber die bemerkenswerte Chuzpe besitzt, das Wort "Rapid" im Namen zu führen).

Ich glaube, die Gründe sind perfider: die Fahrpläne kann man im Internet herunterladen. Aber wer kramt schon seinen Laptop raus, um den Fahrplan zu lesen (außer mir)? Aber dafür gibt es ja Smartphones. Und wie praktisch - damit man weiß, wo man ist, braucht man GPS oder zumindest eine Karte - steht ja leider nicht an den Bushaltestellen, aber dafür gibt's ja auch Smartphones. Damit man dann noch ungefähr weiß, wann der Bus an dieser Haltestelle ankommt, braucht man schon fast höhere Mathematik - denn auf dem Fahrplan steht nur jede 7. bis 8. Station. Aber dafür gibt es ja Taschenrechner (oder Mobiltelefone mit integriertem Taschenrechner).

Messerscharf folgere ich also: Dass an Bushaltestellen keine Buslinien, Standorte und Abfahrtszeiten angebracht sind, ist entweder das Werk
  • großer Konglomerate von Karten- und Taschenrechnerproduzenten sowie Fahrplandruckereien oder aber
  • von Apple.
Damit dann nicht irgendwelche Landstreicher, Ökos, deutsche Austauschstudenten oder sonstige schrullige Charaktere auf die absurde Idee kommen, zu laufen, setzt man Fußwegen einfach mal eben ein wildromantisches Ende:


Man kann sich dann aussuchen, ob man lieber durch hüfthohe Wiesen läuft, auf dem Highway weiterläuft und von einem netten SUV-Fahrer auf der Frontstoßstange mitgenommen wird oder doch lieber umkehrt und auf den Bus wartet. Oder ein Taxi ruft. Die Nummer kann man sich ja mit dem Smartphone raussuchen.

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